Die Geschichte einer gefährlichen Golfreise

Die Bedingungen der Seeschiffahrt in den achtziger Jahren im Persischen Golf waren von den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Iran und Irak geprägt. Die nautischen Bedingungen für das Befahren dieses Gewässers änderten sich ständig. So gab es von seiten der Reederei in Rostock 1983 für eine gewisse Zeit ein Nachtfahrverbot. Im Golf sollen von iranischer Seite Treibminen ausgebracht worden sein, um die internationale Seeschiffahrt zu gefährden. Man wollte damit wahrscheinlich die Warenströme und vor allem den Nachschub an Kriegsgerät für den Irak, der über Kuwait lief, weil Basra blockiert war, unterbinden. Nachts wurde deshalb geankert und tags mit verstärktem Ausguck gefahren.

Auf dem Meer.

Auf dem Meer.

1984 kehrte sich die Situation um. In jenem Jahr griffen irakische Flugzeuge in einem Vergeltungschlag Khark Island, das Hauptterminal Irans für den Ölexport an und zerstörten es. Von da an richteten sich Attacken iranischer Kampfbomber auch gegen die zivile Schiffahrt. Ich habe angegriffene Schiffe in einer Werft in Dubai gesehen. Die eingeschlagenen Raketen hatten verheerende Schäden angerichtet. Meistens wurde auf die Steuerbordkammer unter der Brücke gezielt. Dort wohnt in der Regel der Kapitän. Die Einschüsse wurden auch quer im Bereich der Rettungsboote platziert, wo sie das Schiff durchschlugen und auf der anderen Seite wieder austraten.

Ungewöhnliche Architektur.

Ungewöhnliche Architektur.

Von diesem Zeitpunkt an herschte ein befristetes Tagfahrverbot. Wir schlichen nachts über das Wasser und legten uns tags in die Nähe einer Bohrinseln. Es war bekannt geworden, daß die Sensoren der Raketensucher auch auf Wärme und Schall reagieren. Von einer Bohrinsel wird von beidem mehr emitiert als vom Schiff, so die Annahme. Es kam daher immer wieder vor, daß wir von Kampfflugzeugen im Tiefflug überflogen wurden. In der Golffahrt waren die Seeleute ja so einiges gewohnt, aber auf dieser Reise sollte es knüppeldick kommen. Von Das Island ging unsere Reise über Dubai, Abu Dhabi, Dammam nach Kuwait, unserem letzten Löschhafen, der am 09. August erreicht wurde. Bereits in Das Island tauchten im Fernsehen und auch in den Nachrichtensendungen der Deutschen Welle Meldungen auf, wonach zivile Schiffe im Roten Meer von Minen beschädigt worden seien. Am 02. August 1984, wir lagen in Abu Dhabi, schlug eine Meldung wie eine  Bombe bei uns ein. Das DSR-Schiff „Georg Schumann“ ist kurz nach dem Auslaufen aus dem äthiopischen Hafen Assab von einer Mine schwer beschädigt worden und trieb völlig manövrierunfähig im Roten Meer. Da wir in ein paar Tagen selber durch dieses vielbefahrene Gewässer fahren sollten, konnte uns das selbe Schicksal treffen.

Täglich kamen jetzt Meldungen über Minentreffer.

Am 15. August wurde die Straße von Hormus passiert. Die Reederei hatte uns mitgeteilt, daß wir in Larnaca/Zypern noch Leercontainer für Bremen laden sollten. Außerdem kam ein Rundschreiben für alle Schiffe, die das Rote Meer passieren mußten. Darin wurde den Schiffen lediglich empfohlen doch im Konvoi durch das Krisengebiet zu fahren. Kurz vor Bab al Mandab berief der Kapitän noch eine Bordversammlung ein. Er erklärte uns seine Strategie und ordnete an, daß die Kammertüren nachts auf Sperrhaken bleiben sollten, um im Fall einer Detonation Rettungsmaßnahmen nicht durch verzogene Türen zu behindern. Außerdem sollte mit Bekleidung geschlafen werden und die Rettungsanzüge hätten bereit zu liegen. Es war inzwischen durchgesickert, daß diese Minen wahrscheinlich mit hydromagnetischen Auslösern ausgerüstet sein könnten.

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