Die Äquatortaufe

Seit mehreren Tage haben wir den Äquator hinter uns gelassen. Bereits vor fünfhundert Jahren war es üblich, wer mit dem Schiff reist, und erstmals die unsichtbare Linie des Äquators überquert, mus eine Taufe über sich ergehen lassen. Die Vorbereitungen dafür laufen schon auf Hochtouren. Offiziell hat man die Taufe verboten, zu vieles ist schon passiert. Heute heißt es Wassersportfest.  Um 1557 segelte Johannes Lerius von Frankreich nach Brasilien und überquerte dabei den Äquator. Er schrieb: „ als wir den Gürtel der ganzen Welt überfuhren, haben die Schiffsleute mit großer Festlichkeit ihren Brauch gepflegt. Sie banden diejenigen die zuvor diese Linie noch nicht überquert hatten, an ein Seil und warfen sie vom Schiff ins Wasser, wo die Taufe erfolgte“!

Die Äquatortaufe.

Die Äquatortaufe.

Daraus entwickelte sich die Äquatortaufe und ihren vielen Ableitungen, denn solche Taufen gab und gibt es nicht nur in diesen geographischen Breiten. Erinnert sei nur an die Taufen am Polarkreis, beim Passieren von Gibraltar oder Kap Horn, beim Überqueren des Wendekreises des Krebses.

Heute findet die Zeremonie an Deck eines Schiffes statt. Die Täuflinge, ich bin auch dabei, werden zunächst eingesperrt in einen ganz engen Raum. Umfallen kann man hier nicht! Die bösen Buben haben eine zweihundert Watt Glühbirne angemacht und Käse irgendwo versteckt. Uns läuft ohnehin schon die Brühe am Hintern herunter, trotz Badesachen. Dann werden wir an Deck gebracht, wo wir uns auf dem heißen Boden die Knie verbrennen. Wir werden mit Farbe begossen und geschlagen. Es sind einige Stationen aufgebaut die wir einzeln durchkämpfen müssen. Da wäre der Doktor mit Schachtel voller Pillen, eine Flasche mit Salzwasser dürfen wir verkosten. Ein Skalpell und verschiedene Klammern schleppte er mit sich rum.

Dann geht es weiter zum Friseur. Er schwingt den riesigen Pinsel und fuchtelt mit dem großen Rasiermesser vor der Nase rum. Wenn ich meine Haare behalten will, mus ich zahlen. Und ich zahle, damit er mir nichts tut.

Nicht für alle spaßig.

Nicht für alle spaßig.

An jeder Station werde ich entweder eine Bier oder Sekt los. Es geht zur Folterbank. Dort werde ich um fünf Zentimeter gestreckt. Danach erscheint Neptun mit seiner Gattin und Gefolge. Ich muss ihm die Füße küssen und habe anschließend Senf im Gesicht. Es tritt weiter in Erscheinung ein Priester, er gibt den Segen, die Leibgarde, angeführt vom Polizeichef, die Dienerschar sowie ein Notar.  Dann geht es zum Taufbecken. Hier vergesse ich fast meinen Namen, auf den ich getauft werde – Klaffmuschel -, Voller Erschöpfung erinnere ich in letzter Minute, sonst muss ich alles noch einmal durchkämpfen.

Neptun, griechisch Poseidon, der Gott des Meeres, ist häufig nackt, trägt einen langen Bart und eine wüste Mähne, hergestellt aus Tauwerk, Kabelgarn, Wolle und Seegras.
Sein Haupt schmückt eine Krone. In der Hand hält er den Dreizack.
Seine Stimme tief und rau.

Nachdem ich alles überstanden habe und dies ein teurer Spaß für mich ist, gehe ich zwei Stunden duschen. So ein lustiger Tag an Bord klingt am Abend aus mit einem kalten Bufett und allerlei Getränken. Die Krönung ist die Übergabe des Taufscheines. Diesen muss man auf jedem Schiff besitzen.

Diese Geschichte wurde uns mit freundliche Genehmigung vom Mädchen zur Verfügung gestellt. Es ist eine Story aus dem Buch Marittas F. – Wenn einer eine Reise macht, dann kann er viel erzählen. Bestellen kann man dieses Buch z.B. per Email. Die Bilder stammen von Dieter Wernicke.

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