Franz der Schiffskoch

Diese Erlebnisgeschichte ist der lieben und fleißigen Rosmarie Schönbucher in Sankt Gallen von Franz gewidmet.

Ich mustere auf ein Hochseeschiff an.

Endlich ist es soweit; von der Reederei habe ich das Bahnbillet zweiter Klasse nach London bekommen. Mit einem eher kleinen Reisetasche fand ich mich am frühen Abend an der Bahnstation ein. Zum Glück fand ich ein Abteil ganz für mich alleine in einem Direktzug nach Dünkirchen von wo es dann mit der Fähre über den Kanal gehen soll.

Am frühen Morgen des folgenden Tages kam ich in der noch verschlafenen Hafenstadt Dünkirchen an und begab mich zum Hafen. Zuerst musste ich mich für die Überfahrt auf der Fähre einchecken lassen. Und das dauerte schon etwas lange. Als ich 4endlich durch die Sperre gelassen wurde konnte ich die hell erleuchtete Seefähre besteigen welche schon schon an der Pier lag und konnte sofort an Bord. Überall nur dämmeriges Licht, gedämpfte Stimmen, viele mir noch ganz fremde Geräusche. Kaffeeduft liegt in der Luft, ja so ein kräftiges Frühstück das wäre jetzt genau das Richtige. Doch das liess noch auf sich warten. Bevor das Schiff ablegt, geht das Restaurant nicht auf!

Doch, endlich endlich war es soweit und alles stürzte sich in das geräumige Restaurant. Auch ich ergatterte mir einen noch freien Stuhl und Tisch und bestellte – na was wohl bestellt man auf einem englischen Schiff zum Frühstück? Gebratene Eier mit Speck. Der Kaffee dazu passte zwar nicht so recht für unseren kontinentalgeschmack – ein Bier wäre mir entschieden lieber gewesen.

Mein Schiff.

Mein Schiff.

Aber was solls? Hauptsache; nach mehr als zwölf Stunden endlich endlich etwas warmes im Magen! Doch der Geruch von gebratenen Eiern,Speck und vielem anderen undefinierbaren Gerüchen behagte mir nicht lange und ich begab mich an Deck an die frische Luft. Inzwischen war die Dämmerung vollends dem Tag gewichen und ich konnte die englische Küste näherkommen sehen. Sanft schaukelte das Schiff. Leicht bewegte sich der noch ferne Horizont. Beruhigend plätscherte das Wasser an die Bordwand entlang und frisch strich der salzige Wind mir um den müden und verwirrten Kopf. Und ich genoss meine erste Bekanntschaft mit dem Meer. In Folkstone musste ich den Zug nach London – Victoria Station nehmen. Die Bahnwagen waren recht komfortabel aber sehr schmutzig. Um aus dem Fenster zu sehen, musste ich es zuerst sauberwischen. Zeitungen,leere Zigarettenschachteln wurden einfach auchtlos auf den Boden geschmissen oder auf den Polstern liegen gelassen. Und dann sah ich zum ersten Mal eine wirklich grosse Eisen-bahnstation! Oh, war ich erstaunt! Fast unübersehbar alles und ein Gewühl wie in einem Ameisenhaufen.

Und meine Englischkenntnisse? Na, die waren gleich Null und wären mir jetzt sehr gut zu statten gekommen! Wie nur finde ich den Weg zu meinem Schiff? Dann erinnerte ich mich der Anweisungen der Reederei, wie vorgegangen werden soll,kann oder muss. Also ein Taxi nehmen und zum Hafen. Mit dem Taxi findet man alles, kommt überall hin und erfährt sehr viel wissenswertes und interessantes vom Fahrer. Ein Taxichauffeur weiss (fast) alles! Die Fahrt dauerte lange und ich staunte nicht schlecht über diese weiten Distanzen die zu fahren waren.

Und dann stand ich zum zweiten Male am selben Tage vor einem Schiff. Nur, dieses hier war ja noch viel größer!

Noch war wenig Betrieb und das Wetter war nebligtrüb und sehr kühl. Als ich dann endlich vor „meinem“ Schiff stand, bekam ich doch einen ordentlichen Schreck! Hoch und bedrohlich ragte mir der Bug entgegen. Und gross in Goldlettern war der Schiffsname zu lesen oberhalb der mächtigen Ankern die an ihren wuchtigen Ketten hingen.

Etwas zaghaft und unsicher stieg ich die schwankende Gangway hinauf. Oben wurde ich gleich vom wachhabenden Matrosen empfangen und zum Kapitän gebracht. Aber bis wir auf die Kommandobrücke kamen, hatten wir noch drei Treppen hoch-zusteigen. Ich war sprachlos – nie hätte ich mir vorgestellt, vorstellen können, wie das Innenleben eines Hochschiffes aussieht! Einfach überwältigend! Zu meiner grossen Überraschung sprach mich der Kapitän in deutscher Sprache an. Lustig war seine Aussprache, denn er war wohl Schweizer (mein einziger Schweizerkapitän denn ich je hatte) ein Walliser aus dem franz. sprachigen Teil.

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