Ein Versuch, Seemann zu werden

Meine Familie hatte sich1990 die kleine Stadt Tönnig an der Nordseeküste ausgesucht, um dort einige Tage Urlaub zu machen. Unterkunft war gesichert und so ging die Reise in ein uns relativ fremdes Land. Wir wollten baden, uns Schiffe und das Umfeld ansehen. Gehört haben wir schon sehr viel von dieser tollen Landschaft, jetzt hatten wir die Möglichkeit am Schopf gepackt. Voller Bewunderung standen wir am Abend im Hafen von Tönnig und bestaunten die Fischerboote.

Meine Fragen: Wie werden solche Boote gesteuert, wie bewegen sich diese über das Wasser und wie findet sich solch ein Schiffer auf dem Meer zurecht. Die Antwort erhielt ich bald.

Versuch macht...

Versuch macht…

Wir haben einen Kutterreis zu die Seehundbänke gemacht. Der Kutterführer war ein richtiger Seebär. Alle meine Fragen konnte ich bei ihm stellen und erhielt sogar für mich als Landratte eine zufriedenstellende Antwort. Da wir nur drei Gäste waren, der Wind um unseren Nasen brauste, haben wir auch ab und zu einen Schluck aus der großen Flasche nehmen müssen, die der Seebär zufällig an Bord hatte und er sie mir verkaufen konnte. Mein Wunsch ging nach einiger Fahrzeit in Erfüllung. Ich konnte das Ruder übernehmen und der „ Kahn „ hörte auf mein Kommando. Ich erfuhr was hinten und vorn auf dem Schiff heißt, Rechts und links war ja wichtig zu wissen, wenn man ein solches Schiff steuert.

Alles hat mir der Seemann versucht zu erklären, sogar der Schiffskompass war kein Geheimnis mehr für mich. Trotzdem war ich froh, als der Kutter wieder an der Kaimauer festgemacht hatte. Wind kam auf und die Bewegungen des Schiffes vertrugen sich nicht mit meinem Körper, zumal die große Buddel leer war. Mein Entschluss stand nach diesem Urlaub fest. Ich mache meinem Motorführerschein und werde Küstenseemann.

Nicht so einfach...

Nicht so einfach…

1997 wurde mein Wusch realisiert. Ich hatte mich sachkundig gemacht und eine Ausbildungsstätte gefunden. Nach der Terminabsprache fuhr ich dorthin und wurde auch ganz freundlich vom Lehrgangsleider empfangen. Einfach war es nicht. Viel Neues strömte auf mich ein. Als Landratte hatte ich schon mein tun. Ich wollte es aber so und deshalb hatte ich fleißig gelernt. An einem Samstag sind wir nach Lübeck gefahren. Der praktische Teil der Ausbildung begann. Auf einem Hafenschlepper von 14 Meter Länge und 18 Tonnen Gewicht sollte das Ablegen und alles andere, was zum Führen des Schiffes notwendig war, gelernt werden.

Ergebnis: Das Schiff wollte nicht so richtig das machen, was ich wollte. Der Kompass muss wohl defekt gewesen sein und die Kaffeetassen auf der Back hatten auch ihren Standort verlassen und wurden vom Boden aufgefegt. Bei Mann über Bord Kommando, ist der Arme wohl ertrunken. Nun gut, wir haben lange geübt und meine Fahrpraxis verbesserte sich spürbar.
Am Sonntag war dann endlich die Prüfung! Den praktischen Teil hatte ich nach 20 Minuten in der Tasche. Perfekt! Jetzt war ich schon ein halber Seemann. Theorie ist ja auch wichtig, also habe ich mich ans Werk gemacht. Nach 3 langen Stunden, die nicht vergehen wollten, das Ergebnis. Da Lübeck eine schöne Stadt ist, erhielt ich die Möglichkeit, diese nach 4 Wochen noch einmal aufzusuchen. Natürlich habe ich diese Stadt wieder besucht und bin am späten Nachmittag mit meiner „Wasserpappe“ nach Hause gefahren. Meine liebe Frau hatte mir sofort eine große Motorjacht versprochen. Wir sparen heute noch für unser Hobby, was ich leider nur bisher an Land oder in der Badewanne ausübe.

Was ich mir zugelegt habe, als ich an der Küste war, ist eine tolle Kapitänsmütze. Diese schmückt mein trautes Heim. Immer wenn ich eine Sendung über Seefahrt im Fernsehen sehe setze ich diese auf, stecke mir mein Pfeifchen an und denke an meine erste große Seereise als Motorbootkapitän.

Diese Geschichte wurde von Herr Blueher verfasst. Die Rechte an diesem Text liegen ausschließlich beim Autor.

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