Der durchgedrehte Koch

1.Manchester-Liverpol GB

Bei strömenden Regen landete meine Maschine auf dem düster wirkenden Flughafen von Manchester. Eigentlich hätten wir in Liverpol niedergehen sollen, das konnten wir aber wegen dem starken Regen und Nebel nicht. Am Schalter der Swissair erkundigte ich mich, wie es nun weitergehen soll. Wir besorgen ihnen ein Taxi auf Spesen der Fluggesellschaft. Und so kam ich noch zu einer kleinen Gratisreise auf dem festen Boden, auch wenn es die ganze Zeit regnete. Was mich sehr beeindruckte, war die Düsternis rundum: Schwarz die Häuser, noch schwärzer all die vielen Industrieanlagen bedrohlich und düster überhaupt die ganze Gegend. Nach längerer Fahrt endlich kamen wir am Bestimmungsort an. Und damit sah ich auch zum ersten mal mein neues Zuhause und Arbeitsplatz. Gigantisch ragte der nun leere Rumpf hoch aus dem fast schwarzen, brakigen Hafenwasser.

Was mir gleich auffiel; ich hatte schon besser erhaltene Schiffsrümpfe gesehen als diesen da! Rost wo man hinschaute, nur noch wenige, undefinierbare Farbreste da und dort. Nun, das passte ja geradezu zu diesem trüben Wetter. Ich erkletterte die Gangway, meinen von Büchern ziemlich schweren Seesack mühsam auf den Schultern balancierend.
Oben erwartete mich niemand. Nur die Kommandos ertönten: Die Gangway kann aufgezogen werden, Leinen los und Anker auf.

Aha, die haben ganz offensichtlich nur auf mich gewartet. Alle waren mit dem Ablegen des Schiffes beschäftigt und niemand hatte Zeit für mich. Also machte ich mich auf die Suche nach einer Kontaktperson. Da dies ja nicht mein erstes Schiff war kannte ich mich ein bisschen aus in den vielen Gängen und Treppen und irgendwie gelang ich in das Reich der Küche. Ein höchst nervöser und gereizter Koch empfing mich und der konnte mir wenigstens meine Kabine zuweisen. Ok, soweit so gut! Somit wären wir für das erste am Ziel. Diskret schaute ich mich mal auf dem nun sich leicht bewegenden Schiff um; Mannschafts – Messe. Offiziers – Messe. Offiziers – Pantry, Duschraum. Toiletten.

Alles machte innen einen sehr gediegenen Eindruck. Dunkles, schönes Mahagoniholz verkleidete Wände und Decken gaben dem Innenleben des Schiffes eine etwas gemütliche umd warme Atmosphäre. Dicke Teppiche dämpften die Schritte. Und auch das Licht war gedämpft und eher schwach. Na ja, die Altersschäden des Schiffes sollten ja auch nicht gleich sichtbar sein, da genügte ja schon die Außenansicht, oder?
Dann führte mich der zweite Steward (der war für die Offiziersmesse zuständig) in die Lebensmittellagerräume. Und wie auf allen Schiffen waren die nur durch enge Korridore und und steile Treppen sehr unbequem erreichbar. Da gings erst eine fürchterlich steile Treppe hinunter, einen sehr engen und niedrigen Gang entlang zu den nicht weniger engen und schlechtdurchlüfteten Storeräumen. Da lagen Lebensmittel in großen Mengen.

In der Freizeit.

In der Freizeit.

Im Frischraum Gemüse, Salate, Früchte, Brot und Würste aller Art und Herkunftsländer. Frischfleisch für den sofortigen Verbrauch. Frischmilch und an Land frisch-gebackene Brotlaiber. Käse aller Arten und Provenienzen von Emmentaler bis Gorgonzola und geriebenen Parmesan. Butter gesalzen und ungesalzen in Kiloblöcken. In einem Trockenraum lagen zu hunderten Konserven aller Größe und Inhaltes. Teigwaren von Spaghetti bis zu den unbeliebten Zementröhren (Makkaronis). Mehl, von weiß bis dunkel und Vollkorn, Reis, Zucker, Kaffee, Schokoladenpulver, Produkte für die Bordbäckerei und Bordküche Und im Gefrierraum ganze Rinderhinter- und Vorderviertel, Kälber- und Schweinehälften hingen da an Hacken von der Decke herunter und baumelten sanft hin und her den wiegenden Bewegungen des Schiffes folgend. In Kisten lagen gefrorene Rinds- Schweine- und andere Lebern, Kutteln, Rinds- und Kalberzungen, gesalzen und gepökelt oder eben auch nur frisch eingefroren. Auch Fische gibt es zu Hauf und aller Arten. Und vor dem Gefrierraum die Metzgerei wo all diese Fleischstücke ausgebeint und zerlegt werden. Gut und zweckmäßig eingerichtet, muss ich sagen. Das wird allerdings dann meine Arbeit sein, den Fleischer zu machen und dem Koch die präparierten Stücke in die Küche hinauf zu bringen. Denn der Chiefsteward sitzt ja nicht nur hinter seinen Haushaltbüchern, Menüplänen, Bestelllisten, Deklarations-Formulare für die Zollbehörden, die ja immer ganz genau wissen wollen, was da so auf einem Schiff mitgeführt wird. In den USA haben die Hafen(Gesundheits-)behörden die Stores kurzerhand geschlossen und versiegelt! Alles musste frisch von amerikanischen Händlern und amerikanischer eventuell auch, wenn auch seltener kanadischen Produktion sein.

Ein Problem für den Koch!

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