Hurra, nun bin ich Seemann!

Die MS Dresden.

Die MS Dresden.

Da standen wir nun an der Gangway des uns riesig erscheinenden Schiffes, schauten uns gegenseitig an und warteten darauf, wer nun die Initiative ergreift und sich mit seinem Gepäck über die Gangway auf  die „Dresden“ begibt. Schon erschallte auch von oben herab der Ruf: „Meine Herren, bewegen Sie sich und kommen nun endlich an Deck“. Gemeinsam schafften wir nun unser Gepäck die steil aufragende Gangway, das Schiff war ja nicht beladen, hinauf. Beinahe hätte der Wolfgang K. seinen Seesack eingebüßt, den er sich auf  die Schulter geworfen hatte und so den Aufstieg wagte. Mitten auf dem steilen Weg nach oben kam das riesige Gepäckstück  ins Rutschen und wäre fast in das Hafenbecken gestürzt, was der Seemann gerade noch verhindern konnte. Von Deck hörten wir in diesem Augenblick ein großes Gelächter, welches mit den dazu passenden Bemerkungen unserer Beobachter gespickt war. Wir ließen uns trotzdem nicht beirren und erreichten nach anstrengendem  Aufstieg  endlich das Deck.

Da waren wir endlich und schauten, wo wir uns eigentlich befanden. Alles war ja noch so ungewohnt und neu, dass es erst einmal verarbeitet werden musste. Die Gesamtlänge des Schiffes von 157,60 Metern und einer Breite von 20 Metern ließen wir auf uns wirken. Gewaltig war es schon. Und erst die Masten, die steil emporragten und an denen die Ladegeschirre befestigt waren, ließen unsere Blicke in die Höhe gehen. Aber viel Zeit blieb uns nicht zur Bestandsaufnahme, denn wir wurden gleich zum Mittagessen gebeten. In der Mannschaftsmesse stand schon das Essen bereit, welches wir uns schmecken ließen, so hungrig, wie wir waren.

Raue See.

Raue See.

Plötzlich klingelte das Bordtelefon und uns wurde übermittelt, dass wir uns schleunigst in Luke V, in  Arbeitssachen, ein zu finden hätten. Durch einen Kollegen erhielten wir unsere Kammern zugewiesen. Nur nicht gleich am ersten Tag unangenehm auffallen, war unsere Devise. So zogen wir schnellstens die erhaltenen neuen Arbeitssachen an und machten uns auf die Suche nach Luke V. Aber wie kamen wir dahin? Ziellos durchstreiften wir das Achterschiff, immer auf der Suche nach dieser geheimnisvollen Luke V. Auf einmal standen wir auf dem Achterdeck und blickten von oben  in einen  gähnenden Abgrund. Auf dessen Boden bewegten sich einige Gestalten, die uns sofort bemerkten und lautstark aufforderten, sofort herunter zu kommen. Aber wie sollten wir das wohl machen? Diese Frage riefen wir in das tiefe Dunkel hinein. Man zeigte auf eine angeschweißte Leiter, die wir gefälligst für den Abstieg nutzen sollten. Mit zitternden Knien schwangen wir unsere Beine über den Lukenrand, die Füße suchten krampfhaft nach der ersten Leitersprosse, die Hände wurden schweißnass und im Magen machte sich ein flaues Gefühl bemerkbar. Endlich geschafft, ging es hurtig die Leiter hinunter, die anscheinend kein Ende nehmen wollte. Nach der letzten Sprosse wieder festen Boden unter den Füßen, das ließ uns aufatmen und ein Glücksgefühl durchströmte unsere Körper, wir lebten noch. Allerdings erklärte man uns sofort, dass wir die totalen Pfeifen seien und aus uns bestimmt nichts werden würde. Kommentarlos ließen wir alles über uns ergehen, was sollten wir Landratten schon diesen gestandenen Seeleuten entgegnen…

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