Gefährliche Fracht

Wieder auf hoher See

Aber auch das transportieren von Baumstämmen war nicht unproblematisch. Die Fracht konnte sich selbständigmachen. Das verändert auf gefährliche Weise den Ladeschwerpunkt und kann ein Schiff in eine äusserst unangenehm Schräglage oder sogar zum kentern bringen. Auch gab es mit dieser Art Fracht wohl viel Volumen aber eher wenig Gewicht. Das wiederum bewirkte sehr viel Freibord und der Kahn trieb wie ein Korkzapfen auf dem Wasser. Solange die See ruhig blieb, war dies kein Problem. Doch bei stärkerem Seegang wirkte sich das dann sehr unangenehm aus. Nicht nur boten die hohen Bordwände dem Wind eine ausgezeichnete Angriffsfläche, auch der Neigewinkel wurde so viel grösser. Auch die Schiffsschraube ragte zu sehr aus dem Wasser. Das verursachte dann eine Vibration, die sich in einem starken schütteln des Schiffes bemerkbar machte. Da konnte buchstäblich alles in die Luft gehen, was nicht sehr gut festgezurrt war.

Es muss doch auch mal gefestet werden. Der Schiffselektriker und ich

Es muss doch auch mal gefestet werden. Der Schiffselektriker und ich

So flogen Farbkübel, Seilrollen, Werkzeuge, Kisten und eben alles was nicht fest war, bisweilen hoch in die Luft. Auch für den Seemann konnte das höchst unangenehme Folgen haben. Da stand er urplötzlich ohne Boden unter den Füssen frei im Raum. Stürze waren dabei nicht selten. Oder das krängen des Schiffes konnte jede Arbeit zur Tortur werden lassen. Mit einer Hand festhalten und mit der anderen Hand die Arbeit ausführen. Und das war oftmals fast unmöglich braucht man doch für die meisten Arbeiten beide Hände. In der Messe waren die Stühle und Tische am Boden festgeschraubt. Den Tisch umrandete ein Rahmen,sodass nicht auf den Boden fallen konte. Tische wurden mit feuchten Tüchern rutschfester gemacht. Und eine Suppe bei rauher See zu essen wie man sich das sonst so gewöhnt ist, eine Sache der unmöglichkeit. Die Suppe schwappte einfach aus dem Teller. So machte der Koch bei solchen unfreundlichen Wetter meist einen Eintopf.

Da war dann alles drinnen; Fleisch, Gemüse, Kartoffeln. Gewisse Gerichte konnten gar nicht serviert werden. Das waren vorallem die so beliebten Spiegeleier. Unmöglich so ein Ei in der Pfanne zu bräteln. Das machte sich einfach selbständig und sauste über den Pfannen-rand hinaus in’s leere. Da hiess es sich mit einer Hand am Umlaufgeländer das am Kochherd befestigt war, festhalten und mit der anderen Hand versuchen zu kochen. Meist brauchte es eine Hilfe dazu, die die Pfanne festhielt. Auch am Rüsttisch arbeiten war ein grosses Problem.Was nicht festgeklemmt war,machte sich einfach selbständig. Küchengeräte und Werkzeuge konnten nich einfach so stehen und liegen gelassen werden, sie würden nicht lange an ihrem Platz bleiben. Also, bei rauhen Seegang war das arbeiten ehrlich fürchterlich schwer und mühsam. Und unfallträchtig auch. Ich erinnere mich an einen Messboy; er wollte ein Stapel gewaschener Teller in den Wärmeschrank versorgen. Doch dazu kam es nicht, denn der arme Junge rutschte auf dem nassen Küchenboden aus, versuchte beim fallen die Teller zu halten was ihm aber nicht gelang. Messboy und Teller fanden sich am Boden wieder sofort weiter geschoben weil das Schiff auf die andere Seite überholte. Der Unglückliche rutschte nun auf Bauch und Arme die zerschlagenen Teller unter sich quer durch die Küche wobei er sich natürlich ganz böse an Armen, Beinen und Bauch verletzte. Ein andermal war es der Bäcker, der mit einem Karton mit 30 Eiern daherkam. Dass Schiff krängte unverhoft und des Bäckers Eier flogen durch die Küche. Innert kürzester Zeit war kein einziges Ei mehr ganz dafür der Küchenboden dank dem rohen Eibrei noch rutschiger als ein Eisfeld. Oder mir geschah es, dass ich beim hochsteigen der ziemlich steilen Treppe von den Vorratsräumen in die Küche urplötzlich hintenüber kippte und wieder unten am Treppen-aufgang landete. Man kann auf einem bewegten Schiff nie vorsichtig genug sein.

Doch wie jede vorhergegangene Reise läuft das Schiff wieder heil in seinem Zielhafen ein. Wieder ist eine Reise beendet und die Vorbereitung für die nächste ist schon wieder im Gange. Dann also wieder : Schiff ahoi und gute Fahrt!

Das Copyright für diesen Text liegt bei Franz Manser. Eine Veröffentlichung außerhalb von Meereswellen.de ist strengstens untersagt, bzw. ist nur mit Genehmigung vom Autor gestattet.

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