Gefährliche Fracht

In der Bucht

Irgendwann legten wir dann in einer weiten Bucht an. Da herrscht reine und urige Wildnis. Nichts von Zivilisation war da zu sehen. Urwald, scheinbar undurchdringlich, steile, felsige Ufer, sonst nichts. Und massenhaft Holzstämme zu riesigen Flössen zusammengebunden trieben scheinbar ohne jegliche Kontrolle und als ob sie niemanden gehörten im Wasser.

Unsere Ladung wurde auf ein kleineres Boot umgeladen und entschwand dann unseren Blicken. Wir waren aber nicht an Land festgemacht sondern lagen am Anker, weit vom Ufer entfernt. Die Dünung war sehr stark hier und es wurden Wachen aufge-stellt. Es hätte ja sein können, dass sich ein Schiff bei diesem Seegang, der immerhin so seine zwei bis drei Meter Höhe erreichte, sich hätte losreissen können. Und wir waren auch nicht alleine in dieser Bucht, weit verstreut schaukelten noch andere Schiffe im Wasser und zerrten wild an ihren Ankerketten als ob sie sich befreien wollten. Das aber hätte fatal enden können! Eine Kollision hier draussen? Lieber nicht und dafür gut Wache halten!Eine Menge Holz trieb da im Wasser. Riesenbaum-stämme, aneinander gebunden wie Flösse tanzten mit den Wellen auf und nieder. Und darauf bewegten sich behende wie Akrobaten schwarze, halbnackte Männer mit langen Hacken und Stangen. Es muss gesagt sein; diese Stämme lagen schon wochen- oder gar monatelang im Wasser. Sie waren glitschig und voll Ungeziefer und wehe, sollte einer dieser Arbeiter dazwischen kommen – er käme nur noch als eine breiige Masse, wenn überhaupt hervor. Aber diese Männer bewegten sich mit einer traumwandlerischer Sicherheit als wären sie genau für diese gefährliche Arbeit geschaffen. Die Stämme wurde mit den bordeigenen Ladebäumen an Bord gehievt. Diese Arbeit ging nur sehr langsam von statten, denn das Holz war vom dem lange im tropischen Wasser liegend sehr glitschig, schwer und schlecht an den Drahtseilen fest zu machen. Immer wieder passierte es, dass sich so ein Baumstamm durch die Schlinge rutschen lies und dann zurück in’s Wasser klatschte oder noch schlimmer, auf Deck aufschlug. So soll es auf einem anderem Schiiff vorgekommen sein, dass sich so ein Holz durch zwei Deck’s hindurch geschlagen habe. Und so eine Decksplanke hat immerhin so einige Zentimeter Durchmesser!

Auch im oder noch schlimmer, unter Wasser treibende Baumstämme konnten für die Schiffe gefährlich werden. So schlug es einem Schiff einen Propellerflügel ab. Die nächste Fahrt zurück nach Europa sei ziemlich „holperig“ gewesen, sagten die Fahrensleute.

Aber auch Ungeziefer hievten wir noch und noch an Bord. Da waren Käfer, Spinnen, Schlangen und noch viel greulicheres, was da im trüben und abgestandenen Tropenwasser lebte oder überlebt hatte. Jeden Abend, bevor wir in’s Bett schlüpften, musste das ganze Bettzeug gründlich auseinander genommen und ausgeschüttelt werden. Nich selten fiel da dann eine „schöne Überaschung“ heraus. Unser Zahlmeister machte sich ein Vergnügen daraus, uns ein dKamäleon vor die Nase zu setzen um uns mit seinem wütenden fauchen arg zu erschrecken. Das stellte er dann so an: Die erhaltene Lohnsumme musste auf einem Blatt unterschrieben werden. Das legte er dann so hin, das es direkt unter das fast unsichtbare Tierchen zu liegen kam. Neigte man nun den Kopf konzentriert und aufmerksam über das Blatt Papier, dann ertönte ein wütendes fauchen. Aber wir sahen immer nur den weit aufgerissenen, mrötlichen Rachen des Tieres. Wir revanchierten uns dann aber, indem wir ihm, dem Zahlmeister, kleinere Schlangen an die Türfalle zu seiner Kabine banden. Nie wagte er es, eines dieser Schlänglein selbst weg zu nehmen und er rief immer einer von uns, dies für ihn zu tun. Und das kostete ihm dann immer einen Karton Bier. Einmal mussten wir unseren Schiffshund, unser Bordmaskottchen, ein weisser Spitzer, von einer Spinne befreien, die sich ihm an der Nase festgekrallt hatte. Seine Nase war dann für einige Tage so gross und rot wie eine Tomate.

Aber, ansonsten war es ziemlich eintönig da draussen am Anker. Landgangmöglichkeit gab es überhaupt keine und so hatten wir genügend Zeit, den Einheimischen bei ihrer sehr gefährlichen Arbeit zuzusehen. Die standen auf diesen glitschigen Baumstämmen als wären sie an Land auf einer festen Strasse. man darf nicht vergessen; diese Hölzer lagen schon monatelang im warmen Tropenwasser. Das Holz hat sich in dieser langen Zeit und unter glühender Sonne Mit brakigen Wasser vollgesogen wie ein Schwamm. Das Ungeziefer mit der Zeit sich in der Rinde und Spalten festgesetzt. und es ist zu bednken: Diese zum Teil riesigen Baumstämme sind ja nicht hier in Meeresnähe gewachsen sonder weit im Landes-inneren . Dann sind sie zu Flössen zusammen-gebunden worden und in wochenlanger Fahrt den Fluss herunter geflösst worden. Nun liegen sie hier noch immer miteinander verbunden, treibend im Wasser und werden von den Wellen dauern bewegt. Und darauf stehen dann die Arbeiter und dirigieren Stamm für Stamm an seinen richtigen Ort um auf das Schff verladen zu werden. Was nun, wenn so ein Arbeiter ausrutschen würde und zwischen zwei solch schweren Baumstämme eingeklemmt würde? Bestimmt wäre das sein bitteres und trauriges Ende seines sonst schon miesen Erdendaseins. Aber auf Hilfe kann er auch nicht gross zählen, denn in diesem bewegten, quirligen und unruhigen Wasser würde er als bald elendiglich zerquetscht und jede Hilfe käme zu spät. Somit konnten wir ihnen nichts anderes als nur Glück bei ihrer gefährlichen und schweren Arbeit wünschen. Ein ganz gefährlicher Augenblick war es immer, und uns standen die Haare zu Berge, wenn sich so ein Riesenholz aus seiner Schlinge löste und dann aus 10 oder 15 Meter Höhe zurück ins Wasser klatschte. Da konnte man nur froh sein, sich nicht gerade direkt darunter zu befinden. Fiel der Stamm sogar auf’s Deck, eine mächtige Delle midestens blieb als Mahnmal zurück.

Mit Hacke und anderen Instrumenten brachten sie die Hölzer in die richtige Lage um sie dann an den dicken Drahtseilen der Ladebäume festzumachen. Es war eine Schinderei! Und nicht genug damit, meistens hatten wir eine enorm hohe Dünung in dieser Bucht. Auch gab es täglich mehrmals Gewitter mit kräftigen und böigen Winden und einem Regen der alles undurchsichtig machte wie mit einem dicken Schleier.

Diese Zeitverbrachten dann diese Leute ruhig auf den Stämmen sitzend und wartend, bis sich das Unwetter wieder verzogen hatte und sich das Wasser einigermassen beruhigt hatte.

Beim eindunkeln fuhren dann leere Boote leise an unsere Seite und übernahmen diese Fracht, die wir von Europa hierher gefahren hatten. Alles ging ganz still und leise und der Bootsmann duldete keine Zuschauer auf Deck. Verständlich,wir sollten ja nicht sehen,was da still und heimlich und des Nachts ab- transportiert wurde! Bei der Fahrt von Europa hieher beobachtete ich des Nachts oft, wie mächtige Funken aus dem Schiffsschornstein über diese schwarzen und schweren Abdeckungen peitschten. Was wenn sich solch ein Funke festgebrannt hätte? Ich denke, ein gewaltiges Feuerwerk wäre uns sicher gewesen. Und da dies ja jederzeit möglich gewesen wäre, wurde mit dem Schiff auch nicht viel Aufwand betrieben. Wir machten unsere Fahrten hin und her.Jeden Monat legten wir einmal in Marseille an, übernahmen die Fracht und fuhren zurück in unsere Bucht. Hin und her, her und hin. Es wurde nur gebunkert (Treibstoffaufnahme), Lebensmittel und event. Reservebestandteile an Bord genommen. Reguläre Passagiere fuhren nie mit (wer wollte schon sein Leben auf solch einem Seelen-verkäufer riskieren?)

Sicher fuhren aber versteckte Passagiere mit, vorallem in Richtung Europa. Doch davor wussten wir nichts.

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