Eine Seereise mit Hindernissen

Durch den Funkverkehr und die Aktivitäten auf dem Gordonriff war ein holländischer Hochseebergungsschlepper aufmerksam geworden. Den letzten eigenen Bergungsversuch unserer Reedereischiffe hatte er dabei aus sicherer Entfernung aufmerksam beobachtet. Nach Absprache mit dem Krisenzentrum in Rostock wurde mit diesem Schlepper ein Bergungsvertrag unterzeichnet. Den ersten Schleppversuch  konnten wir noch verfolgen, bevor uns die DSR Richtung Suez abrief.

Wichtige Information.

Wichtige Information.

Der Kanalkonvoi am Morgen des 17.August  mußten wir unbedingt erreichen. Um die drei Tage Verlust wieder einzuholen, wurde unser Schiff direkt nach Hamburg geordert, um bereits Ladung für die nächste Golfreise  zu übernehmen. In Hamburg kamen dann mit der Post und Zeitungen auch die aktuellste Ausgabe des Reedereibummi (Voll Voraus) an Bord. Auf der Titelseite wurde in großen Lettern von der Indienststellung des ersten  in der DDR gebauten Ro-Ro-Schiffes berichtet und die  Leistungen  der Schiffbauer und Seeleute in den höchsten Tönen gepriesen. Am 28.08.1982 um 14 Uhr wurden die Leinen im Heimathafen Rostock fest gemacht. Es wurde nur eine ganz kurze Liegezeit. Zu wenig Zeit für die Familie, für Freunde oder um irgend welche Probleme zu Hause zu lösen. Bereits am 31.08.1982 begann eine neue Reise über London und Antwerpen in den Persischen Golf und nach Indien. Das weitere Schicksal der „Gleichberg“ kenne ich nur aus der Presse bzw. durch den Buschfunk. Die Versuche des holländischen Schleppers scheiterten ebenso wie unsere eigenen. Selbst ein zweiter Schlepper der selben Reederei, der in Suez stationiert war, konnte nichts bewirken. Die „Gleichberg“ ist mit voller Geschwindigkeit auf das Riff gerutscht und hatte sich regelrecht in die Korallen gebohrt. Eine Singapore-Bergungsreederei soll danach den Zuschlag bekommen haben.

Hilfe!

Hilfe!

Dabei soll ein Teil des Gordonriffs unter dem Schiff weg gesprengt worden sein. Die „Gleichberg“ ist dann mit eigener Kraft nach Akaba zum Löschen der LKW’s gefahren und anschließend in eine jugoslawische Werft zur Reparatur. Es ist aus meiner Sicht eine schiffbautechnische Meisterleistung der MTW-Werft Wismar gewesen, daß bei diesem Crash nur ein Ballastwassertank im Doppelbodenbereich beschädigt wurde und anschließend das Schiff weiter schwimm-  und manöverierfähig war. Für die Schiffe der DSR gab es in Auswertung dieses Seeunfall eine Weisung, daß die Passage der Tiranstraße nur noch bei Tageslicht erfolgen durfte. Das bedeutete für Schiffe bei der Fahrt in den Golf von Akaba, daß sie nach Beendigung der Suezkanalpassage in Suez, die grundsätzlich in den Abendstunden endete, irgendwo ankern oder treiben mußten, um die Zeit bis zur  Morgendämmerung zu überbrücken.

Zwei Jahre später erhielt ich mit der Post ein Schreiben der Chefinspektion, über das ich mich sehr gefreut habe. Man bedankte sich für den Einsatz am Gordonriff und teilte mir meinen finanziellen Anteil an der Dispache  mit. Nach Beendigung meiner aktiven Fahrenszeit habe ich später in einem Reiseführer gelesen, daß zwischen 1973 und 1986 insgesamt 28 Schiffe auf das Riff aufgelaufen sein sollen, von welchen 21 wieder frei kamen. Die „Gleichberg“ gehörte dazu und fuhr bis zum ihrem Verkauf Ende 2000 unter dem Namen „Prerow“ für die Laeisz-Reederei.

Niedergeschrieben nach Tagebuchaufzeichnungen von Harald Mertin 18182 Rövershagen, damals 3.Technischer Offizier, MS „Suhl“. Das Copyright für diesen Text liegt ausschließlich beim Autor. Anfragen für eine weitere Veröffentlichung könnt Ihr an: haraldmertin@web.de stellen.

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Eine Antwort zu Eine Seereise mit Hindernissen

  1. Firefighter sagt:

    Hallo. Die MS Crimmitschau trägt den Namen meiner Heimatstadt. Damals war sie bekannt als Stadt der tausend Essen und heute durch den erfolgreichen Eishockey. Liebe Grüße raus der großen Kreisstadt CRIMMITSCHAU.☺️

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