Eine Seereise mit Hindernissen

Durch den Golf von Suez und Akaba ging es zum Zielhafen. Am 01. August Nachmittags wurde dieser erreicht. Da alle Liegeplätze belegt waren, wurde das Schiff auf Reede belassen. Akaba ist der einzigste Hafen Jordaniens. Die Küstenlänge beträgt nur etwa 5 Kilometer.Nach 10 Tagen Reede wurde das Schiff in den Hafen verholt und das Löschen der Fahrzeuge ging zügig voran. Bereits zwei Tage später sind wir aus Akaba ausgelaufen. Kurze Zeit später erhielt der Funker einen Notruf von der DSR in Rostock. Das MS „Gleichberg“, erstes in Wismar gebautes Ro-Ro-Schiff auf der Jungfernfahrt, soll auf dem Gordonriff, fest sitzen. Es gehört zu einer Kette von vier Riffen an der Straße von Tiran.

Ausblick.

Ausblick.

Mittags wurde der Havarieort erreicht. Es bot sich uns ein imposanter Blick. Die „Gleichberg“ saß hoch herausragend, weithin sichtbar, auch mit LKW’s beladen auf dem Riff fest. Sie befand sich dabei in guter Gesellschaft, denn zwei andere Schiffe, von ihren Besatzungen schon aufgegeben, lagen ebenfalls dort fest. Die Sonne stand hoch über uns. Die Tiranstraße, zwischen der Halbinsel Sinai und dem besagten Riff, war an der dunkelblauen Wasserfarbe gut zu erkennen. An beide Seiten wurde dieser vielleicht 100 Meter breite Seeweg durch Korallenbänke weiß sichtbar begrenzt.

Böse Zungen behaupteten sofort, daß dieser Seeunfall die Strafe dafür sei, daß in Berlin vor 21 Jahren die Autobahn zum Trocknen aufgestellt wurde. Es war ja auch der 13. August 1982.

In der Zwischenzeit hat das Krisenzentrum in Rostock weitere DSR-Schiffe an die Unglücksstelle beordert. Mit dem MS“ Crimmitschau“ und „Glauchau“ sollten zwei baugleiche Schiffe die Bergungsaktion unterstützen.

Die vier Kapitäne der beteiligten Schiffe einigten sich darauf, daß zuerst die „Crimmitschau“ versuchen sollte, den Havaristen vom Riff zu ziehen. Eine Schleppverbindung wurde hergestellt. Beim Schleppversuch wurde schnell klar, daß eine kurzfristige Bergung der „Gleichberg“ nicht möglich sein wird. Das Schiff bewegte sich keinen Millimeter. Problematisch war vor allem die starke Strömung durch die Tiranstraße. Der Schleppwinkel wurde stumpfer und damit die Zugkraft geringer.

In der Nacht bot der Havarist hoch herausragend und voll beleuchtet ein tollen Anblick. Sofort sprach man vom teuersten Feuerschiff der Welt. Wenige Meter davon entfernt konnten wir das Blitzfeuer auf einem Gittermast erkennen, auf das die „Gleichberg“ mit voller Kraft zugefahren sein mußte. Den zweiten Versuch sollte dann am nächsten Tag die „Suhl“ aufgrund der höheren Maschinenleistung durchführen. Dazu wurde der Seeschlepper, ein tonnenschwerer Schleppdraht, aus dem Kabelgatt gewuchtet. Die Masse des Schleppdrahtes war so groß, daß dazu das bordeigene Ladegeschirr zu Hilfe genommen werden mußte. Unter großer Mühe wurde mit Hilfe der Rettungsboote nach mehrstündigem Einsatz eine Schleppverbindung hergestellt.

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Eine Antwort zu Eine Seereise mit Hindernissen

  1. Firefighter sagt:

    Hallo. Die MS Crimmitschau trägt den Namen meiner Heimatstadt. Damals war sie bekannt als Stadt der tausend Essen und heute durch den erfolgreichen Eishockey. Liebe Grüße raus der großen Kreisstadt CRIMMITSCHAU.☺️

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