Einen Tag in der Schiffsküche

Früh morgens, viel zu früh, dünkt es mich, werde ich von der Wache aus meinem tiefen und seligen Schlaf gerissen.

Es klopft energisch an meine Kabinentür, dann: „Küchenchef, Zeit zum Aufstehen! Es ist sieben Uhr.“ Och, dieser allmorgendliche Ruhestörer. Doch er tut ja nichts als nur seine Pflicht. Denn auch der 1. Koch auf einem Frachter hat sich an die Dienstzeit zu halten. Mühsam ist das Aufstehen, denn gestern Abend ist es wieder mal recht spät geworden in des Elektrikers Kabine. Wir hatten seinen Geburtstag mit einigen Bierchen und einer oder zwei Flaschen Whisky gefeiert. Außerdem hatten wir da draußen auf dem Nordatlantik ein richtiges stürmisches raues Wetter. Haushohe Wellen, die unsere M/s Bregaglia herumwarf als wäre sie ein kleiner Spielball. Dabei ist der Kahn 180 Meter lang und 16 Meter breit. Aber die Stampferei und Schüttlerei dauerte die ganze Nacht durch, wo ich doch ohnehin so sehr wenig Zeit zum Schlafen hatte.

Auch heute wird es nicht anders sein, also mache ich mich auf einen weiteren, mühsamen Arbeitstag bereit.

Was für ein Schiff.

Was für ein Schiff.

Nach einer ziemlich oberflächlichen Katzenwäsche taumle ich der Küche entgegen. Dank der sehr engen Korridore, die glücklicherweise mit Geländer versehen sind, wanke ich zur etwa zehn Meter entfernten Küche. Rollt das Schiff nur wegen der schweren See so oder spüre ich noch unser gestriges Trinkgelage in den Beinen? Der Chiefsteward hat die Türe bereits aufgeschlossen, ist aber wieder verschwunden. Nur er ist im Besitz des Schlüssels damit ja niemand unberechtigt in die Küche sich etwas zum Essen sucht. Der Bäcker, in seinem aus Mehlsäcken selbstgeschneiderten Hosen und einem Leibchen, erscheint und erweckt auch nicht den Eindruck, besonders gut und ausgiebig geschlafen zu haben. Gleich nach ihm folgt der Messboy und der zweite Steward. Der Messboy, das ist der Küchenbursche, der vor allem den Abwasch besorgt und die Kücheneinrichtung und die Mannschaftsmesse sauber hält. Er fährt das erste Mal zur See macht aber seine Arbeit gut. Der zweite Steward ist für die Offiziersmesse und die Kabinen zuständig. Hat er seinen Job erledigt, kann er seine Freizeit genießen. Wir alle sind dem Chiefsteward unterstellt, wobei ich und er ranggleich sind. Das heißt, wir sind beide als Unteroffiziere in der Mannschaftsrolle eingetragen. Das bringt den Vorteil, dass wir auf Oberdeck eine Einzelkabine haben. Die Mannschaft hingegen hat ihre Schlafräume unter Deck, teilweise sogar noch unter der Wasserlinie und können so ihre Bullauge auf See nur selten offen halten, denn sonst haben sie das Wasser in ihrer Kabine. Aber das sind auch die einzigen Vorteile, die wir genießen – abgesehen von ein ganz klein wenig mehr Heuer.

Ansonsten obliegt uns die ganze Verantwortung für das Wohl der Besatzung. Der Chefsteward ist für Einkauf, Verwaltung und die Unterkünfte der Mannschaft verantwortlich. Ich bin für Küche und Warenvorräte zuständig. Zur Küche gehören die Lagerräume für Frischfleisch, Gemüse und Früchte sowie Käse und Eier. Der Tiefgefrierraum und der Kühlraum sind unser größtes Sorgenkind. Wehe, sollte die Kühlanlage ausfallen! Die eingelagerte Ware wäre verdorben und die Mannschaft müsste hungern. Oder ein Wassereinbruch in den Trockenlagerungsraum, wo Reis, Zucker, Teigwaren, Kaffee und die Konserven untergebracht sind – alles wäre verdorben und verloren. Diese Vorratsräume liegen alle unter der Wasserlinie und sind extrem gefährdet.

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