Meine Erinnerungen an Rostock

Hätten wir ja noch gerne getan, denn es war ein sehr lukaratives Geschäft,wenigstens für uns. Damit haben wir in Brasilien unseren gesamten und nicht geraden sehr bescheidenen Aufenthalt finanziert. Also, hier wurde uns schon auf dem Schiff strikte davor abgeraten. Denn, es sei streng verboten, ausserhalb von offiziellen Wechselbüros Westwährung in Ostmark zu wechseln. Und da wir auch sehr bald dem Verfolgungswahn unterlagen, immr vom Geheimdienst beobachtet zu werden unterliessen wir das tunlichst. Und die Volkspolizei war immer präsent! ich glaube,die waren über jeden Schritt von uns bestens orientiert.

Bild von der Hansesail

Bild von der Hansesail

Im Gespräch mit dem Einheimischen erfuhren wir so manches was nicht für Geheimdienstohren bestimmt war.Aber auch erst,als sie uns einwenig besser kannten und sicher waren, von uns nicht verpfiffen zu werden. Einmal wurde ich auch ganz privat eingeladen, ihr Mann war abwesend wie sie mir versicherte. Also lud sie mich in ihre Wohnung ein. Lustig war,Radio Luxemburg war eingeschaltet und sie sagte, es hören alle den Luxi auch wenn’s verboten sei. Und, am mitgebrachten Parfüm und Cognac hatte sie eine Riesenfreude. Nur eben, das herausschmuggeln aus dem Hafengelände vorbei an den scharfen Kontrollen war ein eher gewagtes Unternehmen. Dazu machten Cognac und Parfum-fläschchen bei jedem Schritt gleichmässig und verräterisch glugg glugg. Wie machen,das der gestrenge Zollbeamte nichts merkt? Wir banden uns diese kleinen Geschenke um den Bauch in der Annahme, dass wir ja wohl nicht gerade auch die Hosen runterlassen mussten beim kontrollieren. Nun, mir ist es auf jeden Fall geglückt. Und,nicht wie in den meisten andern Häfen der Welt, die Herren in Uniform waren ganz und gar unbestechlich. Wirklich!

Und noch etwas lustiges fällt mir ein. Die DDR Flagge ist wirklich sehr schmuck und schön und gefiel uns allen,vor allem aber mir besonders gut. Das tiefschwarze, knallrote Rot und das leuchtende Goldband gaben diesem Hoheitszeichen eine kräftige und lebendige Note.

In der Mitte ein sehr aussagekräftiges Emblem bestehend aus einem leuchtendgelben Ährenkranz, einem robusten Hammer und einem Zirkel, beide ebenfalls in goldenen Farben und alles auf rotem Feld.

Früher war vieles anders...in Rostock.

Früher war vieles anders…in Rostock.

Nicht weit vor dem Hafenausgang war so ein hoher Fahnenmast angebracht und daran flatterte eine sehr anziehende DDR Flagge im Wind. Nun, unsere Gruppe war mit einer besonders guten Laune aber etwas wank- end und schwankend vom Ausgang zurückgekehrt und ebendiese leuchtend schöne Fahne hatte nun unser Augenmerk magnetisch auf sich gezogen. Also versuchte es einer von uns, bis zu ihr hoch zu klettern. Es misslang ihm gründlich. So versuchte es der nächste. Wieder misslang das Unternehmen kläglich. Und der nächste stellte sich an den Mast und wollte eben sein Glück und Geschick versuchen. Er sollte nicht mehr dazu kommen! Doch so geräuschlos lief die Sache auch nicht gerade ab und so zogen wir mit unserem Lärm und Gebrüll natürlich die Hafenwache an. Nun sassen wir an unserem weiss gestrichenen Mast mit der so heiss begherten Fahne fest, umringt von belustigt und zugleich grimmig grinsenden Wächtern umringt. Die hatten bald heraus, was wir da vorhatten und aber wegen unseren Räuschen und mangelnder Kondition nicht ausführen konnten.

Die schickten uns umgehend und sehr bestimmtan Bord unseres Schiffes. Am nächsten Morgen mussten wir natürlich beim Alten oben auf der Brücke antreten und uns seine Strafpredigt anhören. Und auch, dass wir ab sofort in Rostock nicht mehr an Land gehen dürften.

DAs war hart! Doch, ein kleiner Trost gab es dennoch, denn die Rostocker Hafenbehörde überreichte uns eine ganz neue DDR Fahne als freundschaftliches Geschenk des DDR Volkes an die Schweizerhochseefahrer. War das nicht eine ganz feine, versönliche völkerverbindende Freundschaftsgeste?

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