Einen Tag in der Schiffsküche

Das Menü habe ich schon beschrieben; Spaghetti an Tomatensauce und Eisbergsalat. Der Salat wird vom Messboy zubereitet, der das inzwischen recht gut kann. Ich stelle eine Riesenmarmite mit Wasser zum Kochen auf, was bei dieser Menge Wasser eine ganze Weile dauert. Viereinhalb Kilo Spaghetti lege ich bereit. Aber so, dass sie mir nicht entwischen können. Bei dieser sehr starken Bewegung des Schiffes bleibt nichts, aber auch gar nichts an seinem Platz. In einer zweiten, aber kleineren Marmite bereite ich die Tomatensauce zu. Mühsam habe ich die freundlicherweise vom Bäcker geschälten Zwiebeln und Knoblauch feingehackt und dünste sie nun im Olivenöl leicht an. Dann kommen einige Büchsen Pelatitomaten dazu und reduziere das Ganze ein. Nun fülle ich frischgemachte Bouillon auf und das alles kann nun bis zur richtigen Konsistenz vor sich hinköcheln. Rühren muss ich nur selten, das besorgen die lieben Meerjungfrauen das draußen, indem sie ihr wildes Spiel mit unserem Dampfer treiben und ihn hin und her, auf und ab werfen und schubsen.

Sechs Uhr, Abendbrotzeit. Sie wanken hungrig und erwartungsvoll in den Esssaal – die Seeleute. Es ist auch hart für sie, bei solchem Wetter draußen auf dem nassen und glitschigen Deck oder unten in der lärmenden und heißen, nach Öl riechenden Maschine zu arbeiten. Auch sie versuchen, trotz Schwanken und Stampfen der Bregaglia, ihre Arbeit gut und irgendwie zuverlässig zu bewältigen. Auch wenn einige mit den langen Spaghettis zu kämpfen haben, mit der Mahlzeit sind sie jedoch zufrieden. Nachdem die Mannschaft bedient ist, bereiten ich und der Bäcker, der übrigens Francois heißt, die Zwischenverpflegung für den Nachtdienst vor. Die Wache muss in der Maschine sowohl auch auf der Brücke gelaufen werden. Und so können sich die Leute dann an der Zwischenverpflegung stärken. Wache zu laufen, eigentlich steht man sie ja eher; der Nautiker auf der Kommandobrücke oben und der Maschinist unten im Maschinenraum. Sie garantieren, dass auch während unserer Nachtruhe alles normal läuft und wir somit beruhigt ruhen können. Um sieben Uhr wird die Küche vom Chiefsteward geschlossen, die Gemeinschaftsräume aber bleiben Tag und Nacht geöffnet.

Wir genießen den Feierabend und setzen uns zum Palavern und einem Bierchen oder eisgekühlten Whisky zusammen. Da geht es dann oft recht lustig zu. Verflogen ist die Müdigkeit von harter Arbeit und unruhigem Seegang. Vergessen die Mühen des Tages. Den Stress vergessen, den man bei unruhiger See auszustehen hat, immer auf der Hut zu sein, keinen Fehltritt zu tun um nicht das Gleichgewicht zu verlieren – auf den meist feuchten und somit sehr rutschigen Böden. Konzentrierte Vorsicht beim Treppensteigen, die schon bei ruhigem Schiff und See steil und unbequem zu begehen sind. Wir sitzen bequem und sturmfest in unseren Sesseln und lassen draußen den Wind sich austoben. Einmal wird sich das Wetter auch wieder beruhigen, die großen Wellen ihren Weg ziehen und uns in Ruhe arbeiten lassen. Morgen ist wieder ein neuer Tag und der Funker sagt, der Wetterbericht habe besseres Wetter angesagt. Das wurde aber auch so langsam Zeit….

Vielen Dank an Franz Manser für diese wunderbare Geschichte.

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